Vorhofflimmern: Katheterbehandlung als erste Therapie wirksamer als Medikamente

Menschen mit anhaltendem Vorhofflimmern könnten davon profitieren, direkt mit einem Kathetereingriff statt mit Medikamenten behandelt zu werden. Das zeigt eine neue Studie in der Fachzeitschrift EP Europace.

Vorhofflimmern ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und erhöht das Risiko für Schlaganfall und Herzschwäche. Ob eine Katheterablation schon als erste Therapie sinnvoll ist, war bei der persistierenden Form bisher umstritten.

In der Studie erhielten 320 bisher unbehandelte Patientinnen und Patienten per Zufall entweder eine Kryoballon-Ablation, bei der Herzgewebe durch Kälte verödet wird, oder Medikamente. Nach der Ablation kehrte die Rhythmusstörung zwischen dem vierten und zwölften Monat bei 18,8 Prozent zurück, unter Medikamenten bei 44,4 Prozent. Auch die Lebensqualität verbesserte sich stärker.

Da die Beobachtungszeit nur ein Jahr betrug, müssen die Ergebnisse noch langfristig und in anderen Bevölkerungsgruppen bestätigt werden.

Mehr lesen: Cryoballoon ablation vs. antiarrhythmic drug therapy as initial treatment for persistent atrial fibrillation – EP Europace (https://shorturl.at/2CoAZ)

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Labortest soll die wirksamste Chemotherapie vorhersagen

Forschende aus Lübeck haben eine Methode entwickelt, die künftig helfen könnte, bei Bauchspeicheldrüsenkrebs die wirksamste Chemotherapie vorherzusagen. Dabei wird im Labor getestet, wie gängige Wirkstoffe auf das individuelle Tumorgewebe wirken, noch bevor die Behandlung beginnt.

Bauchspeicheldrüsenkrebs hat eine der schlechtesten Prognosen aller Krebsarten und spricht oft nur schwach auf etablierte Chemotherapien an. Ob eine Therapie wirkt, zeigt sich bislang erst im Verlauf der Behandlung. Die Auswahl richtet sich derzeit meist nach der Verfassung der Erkrankten und nicht nach der Biologie des Tumors.

Das Team stellte aus frisch operiertem Krebsgewebe dünne, lebensfähige Gewebeschnitte her. Anders als bei vielen bisherigen Labormodellen bleibt dabei die natürliche Struktur des Tumors weitgehend erhalten, einschließlich Bindegewebe und Immunzellen. Die Schnitte wurden anschließend mit Wirkstoffen behandelt, die auch in der Klinik eingesetzt werden. 

Patientinnen und Patienten, deren Gewebe im Labor gut auf eine Chemotherapie ansprach, lebten auch in der tatsächlichen Behandlung länger ohne Fortschreiten der Erkrankung. Die Forschenden sehen ihre Arbeit als Ausgangspunkt und entwickeln das Verfahren wissenschaftlich und im Rahmen einer Ausgründung weiter, damit es künftig in der klinischen Routine genutzt werden kann.

Mehr lesen: Prognose zur wirksamsten Chemotherapie – Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt aeksh

Kannst du dein COPD Risiko im Blut ablesen?

Eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Lungenforschung (DZL) macht Hoffnung auf eine frühere Erkennung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Forschende konnten zeigen, dass sogenannte polygene Risikoscores dabei helfen können, Personen mit einem erhöhten Risiko für eine spätere COPD bereits lange vor dem Auftreten erster Beschwerden zu identifizieren.

Polygene Risikoscores basieren auf genetischen Informationen. Dabei werden viele kleine genetische Varianten zusammen betrachtet, die gemeinsam das Risiko für eine bestimmte Erkrankung beeinflussen können. In einer großen Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, ob sich mit diesen genetischen Daten vorhersagen lässt, wie sich die Lungenfunktion im Laufe der Zeit entwickelt.

Die Ergebnisse sind vielversprechend: Menschen mit einem höheren genetischen Risiko zeigten häufiger einen stärkeren Verlust der Lungenfunktion und entwickelten eher Anzeichen einer frühen COPD. Damit könnte künftig eine deutlich frühere Identifikation von Risikopersonen möglich werden – noch bevor erste Symptome wie Husten, Auswurf oder Atemnot auftreten.

Gerade die Früherkennung ist bei COPD von großer Bedeutung. Bisher wird die Erkrankung oft erst diagnostiziert, wenn bereits dauerhafte Schäden an der Lunge entstanden sind. Neue Ansätze wie genetische Risikomodelle könnten dazu beitragen, gefährdete Menschen früher zu erkennen und gezielt zu begleiten. Langfristig eröffnet dies die Perspektive einer stärker personalisierten Medizin, bei der Prävention und individuelle Vorsorge im Mittelpunkt stehen.

Wichtig ist dabei: Solche Fortschritte sind nur möglich, weil Menschen bereit sind, an Forschungsprojekten teilzunehmen. Jede Studienteilnahme liefert wertvolle Daten und hilft dabei, Krankheiten besser zu verstehen, Risiken früher zu erkennen und neue Wege der Prävention und Behandlung zu entwickeln.

Beim Forschungspanel bringen wir Studien wie diese mit Menschen zusammen, die Forschung aktiv unterstützen möchten. Denn medizinischer Fortschritt entsteht dort, wo Wissenschaft und Engagement aufeinandertreffen.

Hier gelangen Sie zum ursprünglichen Artikel

Immuntherapie gegen Krebs Neue Hoffnung durch Unterstützung körpereigener Helferzellen

Forschende der Mayo Clinic haben eine neue Möglichkeit entdeckt wie Krebstherapien wirksamer werden können. Sie fanden heraus dass bestimmte Immunzellen im Körper sogenannte myeloische Zellen andere Zellen aktivieren können die Krebs bekämpfen. Diese Helferzellen könnten die Wirkung von Immuntherapien verbessern besonders bei Patientinnen und Patienten bei denen die Behandlung nicht lange anhält. 

Ein Forschungsteam entwickelte einen speziellen Antikörper der ein Protein namens PD-L1 blockiert. Dieses Protein schwächt normalerweise das Immunsystem. Wenn es gestoppt wird können die krebsbekämpfenden Zellen besser arbeiten. Ein anderes Team fand heraus dass auch Makrophagen, die als „Fresszellen“ bekannten Abwehrzellen unseres Körpers, eine wichtige Rolle bei der Unterstützung des Immunsystems spielen. 

Hier gehts zum originalen Artikel (Mayo Clinic researchers find enhancing the body’s ‚first responder‘ cells may boost immune therapy for cancer – Mayo Clinic News Network) 

Wie Diabetes das Gehirn beinflusst

Bei einer kürzlich stattgefundenen Diabetes-Konferenz in Wien wurden neue Erkenntnisse vorgestellt. Forschende zeigten, dass sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes mit Demenz und Gedächtnisproblemen verbunden sein könnten. Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit Diabetes ein höheres Risiko für kognitive Einschränkungen haben, besonders im höheren Alter. 

Eine große internationale Studie ergab, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes ab dem Alter von 80 Jahren häufiger an Demenz sterben als Menschen ohne Diabetes. Eine weitere Studie aus Schweden zeigte, dass auch Menschen mit Typ-1-Diabetes ein erhöhtes Risiko für verschiedene Demenzformen haben, darunter Alzheimer und vaskuläre Demenz. 

Warum das so ist, wird noch erforscht. Faktoren wie hoher Blutdruck, lange Diabetesdauer und schlechte Blutzuckereinstellung könnten eine Rolle spielen. Auch der Familienstand scheint Einfluss zu haben: Alleinstehende Menschen mit Typ-1-Diabetes haben ein höheres Risiko für Gedächtnisprobleme. 

Eine zusätzliche Studie untersuchte Marker im Immunsystem und fand Hinweise darauf, dass bestimmte Entzündungszellen mit der geistigen Leistungsfähigkeit zusammenhängen. Die Forschenden hoffen, dass zukünftige Studien zeigen, ob eine bessere Diabetesbehandlung das Gedächtnis schützen kann. 

Hier geht es zum Original Artikel: https://www.medscape.com/viewarticle/diabetes-linked-dementia-latest-evidence-revealed-2025a1000svk

 

Aktuelles aus der Krebsforschung

 

Kann ein einfacher Bluttest die Notwendigkeit einer Post-Operativen adjuvanten Chemotherapie vorhersagen?

  • Wissenschaftler in Spanien & Dänemark arbeiten daran den Einsatz von Chemotherapien zu verbessern & damit das Wohlbefinden der Patienten zu verbessern.
  • Die Idee: Biomarker (Moleküle) im Blut identifizieren, welche spezifisch für den Tumor sind
  • Ziel: Die Bestimmung des Rückfallrisikos nach operativer Tumorentfernung soll helfen, die Notwendigkeit einer zusätzlichen vorbeugenden (adjuvanten) Chemotherapie besser einzuschätzen.

 

Disclaimer: 

Trotz der mitunter belastenden Nebenwirkungen zählt die Chemotherapie weiterhin zu den wirksamsten Methoden im Kampf gegen Krebs und wird auch künftig in vielen Fällen die besten Heilungschancen bieten. Eine präzisere Identifikation von Patient: innen, die eine vorbeugende (adjuvante) Chemotherapie benötigen – oder darauf verzichten können – könnte das Wohlbefinden und die Lebensqualität vieler Betroffener erheblich verbessern.

Wichtig: 

Die hier beschriebene diagnostische Innovation bezieht sich ausschließlich auf die adjuvante Chemotherapie (eine vorbeugende Behandlung nach der Operation). In anderen medizinischen Situationen – etwa bei neoadjuvanten Chemotherapien (vor der Operation zur Verkleinerung des Tumors), kurativen Therapien (heilungsorientiert bei fortgeschrittener Erkrankung) oder palliativen Chemotherapien (lindernd bei nicht heilbarem Krebs) – bleibt die Therapieentscheidung weiterhin individuell, sorgfältig ärztlich begründet und wird durch diese Methode nicht ersetzt.

Klinische Studien (Clinical Trials) werden in den nächsten Jahren Aufschluss geben, ob sich dieser innovative Diagnostik Ansatz als nützlich & sicher erweist.

Den Original Artikel in englischer Sprache finden Sie hier: A simple blood test may detect cancer relapse