Elf klinische Studien, die die Medizin im Jahr 2026 prägen werden

Jedes Jahr bittet Nature Medicine führende Forschende darum, 11 klinische Studien auszuwählen, von denen sie glauben, dass sie die Medizin im kommenden Jahr entscheidend beeinflussen könnten. Für 2026 befassen sich ihre Auswahlstudien mit neuen Wegen, große Krankheiten zu verhindern und zu behandeln – von Infektionen und Krebs bis hin zu Herz‑ und Autoimmunerkrankungen.

In diesem Artikel werfen wir einen genaueren Blick auf diese Studien und erklären, warum sie für Patientinnen, Patienten und Gemeinschaften weltweit wichtig sind.

1. Ein neuer Impfstoff für besseren Schutz vor Tuberkulose

Tuberkulose tötet jedes Jahr über 1,3 Millionen Menschen, doch der derzeitige Impfstoff bietet Jugendlichen und Erwachsenen – den am stärksten betroffenen Gruppen – nur begrenzten Schutz. Diese Studie testet einen neuen Impfstoff, der verhindern soll, dass eine inaktive Tuberkulose zu einer aktiven Erkrankung wird.

Frühere Studien zeigten, dass der Impfstoff das Risiko um etwa 50 % senken könnte – einer der vielversprechendsten Kandidaten seit Jahrzehnten.

2. HIV ohne tägliche Medikamente kontrollieren

Die HIV‑Therapie ist sehr wirksam, erfordert jedoch tägliche Tabletten, um das Virus zu unterdrücken. Diese Studie untersucht, ob lang wirkende Antikörper HIV kontrollieren können, selbst wenn die tägliche Medikation abgesetzt wird.

Die Ergebnisse zeigten, dass viele Teilnehmende mehrere Monate – in einigen Fällen deutlich länger – ohne tägliche Behandlung auskamen, ohne dass das Virus zurückkehrte.

3. Behandlungen für Long COVID finden

Millionen Menschen mit Long COVID leiden unter extremer Erschöpfung und Symptomen, die sich selbst nach leichter Aktivität verschlimmern. Diese Studie testet, ob bestehende Medikamente die Symptome lindern können, indem sie Entzündungen reduzieren und die Durchblutung verbessern.

Da es bisher nur wenige nachgewiesene Behandlungen gibt, könnten positive Ergebnisse die Versorgung einer Erkrankung verbessern, die weltweit schätzungsweise 65 Millionen Menschen betrifft.

4. Ein einzelner Impfstoff gegen zwei gefährliche Viruskrankheiten

Das Lassafieber ist eine schwere Virusinfektion, die jedes Jahr Tausende Menschen in Westafrika betrifft und besonders in der Schwangerschaft gefährlich sein kann. Diese Phase‑1‑Studie testet einen neuen Impfstoff, der sowohl gegen Lassafieber als auch gegen Tollwut schützen soll.

Die Studie konzentriert sich auf Sicherheit und Immunantwort. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass der Impfstoff gut verträglich ist und schützende Antikörper erzeugt.

5. Entzündungen bekämpfen, um Herzkrankheiten zu reduzieren

Herzkrankheiten werden nicht nur durch Cholesterin verursacht – auch Entzündungen spielen eine große Rolle bei Herzinfarkten und Schlaganfällen. Diese Phase‑3‑Studie untersucht, ob die Reduktion schädlicher Entzündungen das Risiko schwerer Herz‑Kreislauf‑Ereignisse senken kann, insbesondere bei Menschen, die trotz Standardtherapien ein hohes Risiko behalten.

Die Studie richtet sich an Patientinnen und Patienten mit bestehender Herzkrankheit und anhaltender Entzündung – eine Gruppe mit wenigen zusätzlichen Therapieoptionen.

6. Eine neue zielgerichtete Therapie für fortgeschrittenen Bauchspeicheldrüsenkrebs

Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten Krebsarten, und aktuelle Behandlungen bieten oft nur begrenzten Nutzen bei erheblichen Nebenwirkungen. Diese Phase‑3‑Studie testet eine neue orale, zielgerichtete Therapie als Alternative zur Standardchemotherapie bei metastasiertem Krebs.

Die Behandlung soll einen zentralen Treiber des Tumorwachstums blockieren, der bei den meisten Betroffenen vorhanden ist, um das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen und das Überleben zu verbessern.

7. Ein länger anhaltender „Immun‑Reset“ bei Myasthenia gravis

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Verbindung zwischen Nerven und Muskeln angreift, was zu schwerer Schwäche führt. Diese Studie testet einen neuen Ansatz, der die Immunzellen der Betroffenen vorübergehend „neu trainiert“, um langfristige Linderung ohne dauerhafte Therapie zu ermöglichen.

Frühere Ergebnisse waren vielversprechend: In einer vorherigen Studie hatten mehr als die Hälfte der Teilnehmenden nach sechs Monaten minimale oder keine Symptome, und viele profitierten bis zu einem Jahr lang.

8. Genom-Editierung zur Behandlung einer seltenen Immunerkrankung

Die chronische Granulomatose ist eine seltene Erbkrankheit, bei der Immunzellen bestimmte Bakterien und Pilze nicht richtig abtöten können. Dies führt zu wiederkehrenden schweren Infektionen und chronischen Entzündungen. Diese Studie testet, ob Genom‑Editierung das zugrunde liegende Problem beheben kann.

Dazu werden blutbildende Stammzellen entnommen, das fehlerhafte Gen im Labor repariert und die korrigierten Zellen zurückgegeben. Erste Ergebnisse zeigen, dass die Immunfunktion auf ein Niveau wiederhergestellt werden kann, das Infektionen verhindert und Entzündungen reduziert.

Für Menschen, die nicht für eine riskante Stammzelltransplantation infrage kommen – derzeit die einzige Heilung – könnte dies eine sicherere, gezieltere und langfristige Option bieten.

9. Das Immunsystem nutzen, um fortgeschrittenen Brustkrebs zu bekämpfen

Fortgeschrittener Brustkrebs, der sich im Körper ausgebreitet hat, ist selten heilbar, und viele Betroffene haben nach mehreren Therapien keine Optionen mehr. Diese Studie testet eine zellbasierte Immuntherapie, die das Immunsystem darauf trainiert, Krebszellen zu erkennen und zu bekämpfen. Sie wird mit einem weiteren immunstimulierenden Medikament kombiniert und mit Standardchemotherapie verglichen.

Die Studie umfasst eine vielfältige Patientengruppe, einschließlich Menschen mit Hirnmetastasen, um Ergebnisse zu erzielen, die der realen Versorgung entsprechen.

10. Stammzellen nutzen, um das Gehirn bei der Heilung zu unterstützen

Schlaganfälle, Parkinson und traumatische Hirnverletzungen können dauerhafte Schäden hinterlassen, für die es nur wenige gute Behandlungsmöglichkeiten gibt. Diese Studie untersucht, ob Stammzellen aus dem eigenen Knochenmark die Reparatur des Gehirns unterstützen und die Funktion verbessern können.

Die Zellen werden sowohl über eine Vene als auch über die Nase verabreicht – ein Weg, der ihnen möglicherweise hilft, das Gehirn direkter zu erreichen. Erste Berichte deuten auf Verbesserungen bei Bewegung, Sprache und Alltagsfunktionen hin, auch wenn dies keine Heilung darstellt.

11. Lp(a) senken, um Herzinfarkte und Schlaganfälle zu verhindern

Einige Menschen erben hohe Werte von Lipoprotein(a), kurz Lp(a), einem cholesterinähnlichen Partikel, das das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich erhöht. Im Gegensatz zu normalem Cholesterin reagiert Lp(a) kaum auf Statine oder Lebensstiländerungen.

Diese Studie testet ein neues Medikament, das speziell zur Senkung von Lp(a) entwickelt wurde, und untersucht, ob dies tatsächlich Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle durch Herzkrankheiten verhindert. Mit rund 7.000 Teilnehmenden weltweit ist es eine der größten Studien dieser Art.

Quelle

Die Informationen in diesem Artikel basieren auf:

May M. Eleven clinical trials that will shape medicine in 2026. Nature Medicine (2025). Verfügbar unter: https://www.nature.com/articles/s41591-025-04083-x